Sekundärkaries: Ursachen, Symptome & Behandlung
Karies ist vielen Menschen ein Begriff, doch was passiert, wenn sich ein Loch unter einer bereits bestehenden Füllung oder Krone bildet? Dieses Phänomen wird als Sekundärkaries bezeichnet. Oft bleibt sie lange Zeit unbemerkt, da sich die Bakterien im Verborgenen durch die Zahnsubstanz arbeiten. Erst wenn Schmerzen auftreten oder die Füllung herausfällt, wird das Problem offensichtlich. Eine schnelle und gezielte zahnärztliche Behandlung ist dann unerlässlich, um den betroffenen Zahn zu retten. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über die Entstehung, die typischen Symptome und die modernen Behandlungsmethoden der Sekundärkaries. Zudem geben wir Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie dieser versteckten Gefahr durch eine optimale Prophylaxe effektiv vorbeugen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Sekundärkaries entsteht an den Rändern oder unterhalb von bereits vorhandenen Zahnfüllungen, Inlays oder Kronen.
- Ursache sind meist winzige Risse oder Spalten zwischen Füllung und Zahn, durch die Bakterien eindringen können.
- Im Anfangsstadium verläuft diese Form der Karies oft völlig schmerzfrei und bleibt ohne Röntgenbild unentdeckt.
- Die Behandlung erfordert die vollständige Entfernung der alten Restauration, um die Karies restlos zu beseitigen.
- Eine gründliche Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt sind der beste Schutz.
Was ist Sekundärkaries?
Sekundärkaries ist eine erneute Karieserkrankung, die sich direkt am Rand oder unter einer bereits bestehenden Zahnfüllung, Krone oder einem Inlay bildet. Sie entsteht, wenn Bakterien durch mikroskopisch kleine Spalten, die beispielsweise durch Materialermüdung oder fehlerhafte Ränder entstehen, in den Zahn eindringen und dort unbemerkt die Zahnsubstanz zerstören.
Wie entsteht Karies unter einer bestehenden Füllung?
Die Entstehung von Sekundärkaries ist ein schleichender Prozess, der oft über Monate oder Jahre hinweg unbemerkt abläuft. Zahnfüllungen und Kronen sind täglich enormen Belastungen durch das Kauen und durch Temperaturwechsel ausgesetzt. Im Laufe der Zeit kann das verwendete Material ermüden, schrumpfen oder sich leicht abnutzen.
Dadurch entstehen mikroskopisch kleine Spalten, sogenannte Randspalten, zwischen der Füllung und der natürlichen Zahnsubstanz. Diese winzigen Risse bieten den idealen Unterschlupf für Plaque-Bakterien. Da diese Stellen mit der Zahnbürste kaum zu erreichen sind, können sich die Bakterien dort ungestört vermehren. Sie wandeln Zucker aus der Nahrung in Säure um, welche den Zahnschmelz aufweicht und schließlich zu Karies führt. Ohne regelmäßige zahnärztliche Kontrolle breitet sich die Infektion tief in Richtung des Zahnnervs aus.
Typische Ursachen und Risikofaktoren im Detail
Es gibt verschiedene Faktoren, die das Risiko für die Entwicklung einer sekundären Karies deutlich erhöhen. Einer der Hauptgründe ist eine unzureichende häusliche Mundhygiene, bei der bakterielle Zahnbeläge nicht restlos entfernt werden. Auch starkes Zähneknirschen, der sogenannte Bruxismus, kann die Entstehung begünstigen, da die enorme Krafteinwirkung die Ränder von Füllungen schneller bröckeln lässt.
Ein weiterer Risikofaktor ist eine zuckerreiche Ernährung, die den säureproduzierenden Bakterien stetig neue Nahrung liefert. Zudem spielen die Qualität der ursprünglichen zahnärztlichen Restauration und das verwendete Material eine entscheidende Rolle. Wenn beispielsweise die Füllung von Beginn an nicht optimal abgedichtet war, können Bakterien von Anfang an eindringen. Schließlich nimmt auch mit dem natürlichen Alterungsprozess der Füllungen das Risiko für Materialdefekte und somit für Sekundärkaries stetig zu.
Welche Symptome weisen auf eine Sekundärkaries hin?
Das Tückische an der Sekundärkaries ist, dass sie im Anfangsstadium so gut wie nie Schmerzen verursacht. Die Bakterien arbeiten sich zunächst durch die äußeren Schichten, ohne dass der Patient davon etwas bemerkt. Erst wenn die Karies das Dentin, also das Zahnbein, erreicht hat, treten häufig erste Überempfindlichkeiten auf. Betroffene spüren dann ein kurzes, ziehendes Schmerzgefühl beim Verzehr von kalten, heißen oder süßen Speisen.
Im fortgeschrittenen Stadium kann sich ein dauerhafter, pochender Schmerz einstellen, der auf eine Entzündung des Zahnnervs hindeutet. Manchmal fällt dem Patienten auch ein unangenehmer Mundgeruch oder ein schlechter Geschmack im Mund auf. Optisch lässt sich die Erkrankung oft durch dunkle Verfärbungen oder Schatten am Rand der alten Füllung erahnen. Spätestens wenn Teile der Füllung wegbrechen, ist ein sofortiger Besuch beim Zahnarzt unabdingbar.
Diagnoseverfahren beim Zahnarzt
Da Sekundärkaries oft versteckt unter Restaurationen liegt, gestaltet sich die Diagnose mit dem bloßen Auge meist sehr schwierig. Der Zahnarzt nutzt zunächst eine zahnärztliche Sonde, um die Ränder der Füllungen vorsichtig auf Unebenheiten oder weiche Stellen abzutasten. Häufig bleibt die Sonde an minimalen Defekten im Übergangsbereich zwischen Füllung und Zahn hängen.
Die wichtigste und zuverlässigste Diagnosemethode ist jedoch die Erstellung von Röntgenbildern. Auf sogenannten Bissflügelaufnahmen kann der Zahnarzt dunkle Schatten unter der bestehenden Füllung erkennen, die eindeutig auf Karies hindeuten. Ergänzend kommen moderne Verfahren wie die Kaltlicht-Durchleuchtung oder spezielle Laser-Kariesdiagnostik zum Einsatz. Durch diese präzisen Instrumente kann das genaue Ausmaß der Zerstörung detailliert beurteilt werden. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um den Zahn möglichst substanzschonend behandeln zu können.
Behandlung und Erneuerung der Zahnfüllung
Sobald eine Sekundärkaries diagnostiziert wurde, muss diese umgehend und professionell behandelt werden. Der erste Schritt der Therapie besteht darin, die alte und undichte Füllung oder Krone vollständig zu entfernen. Anschließend muss der Zahnarzt die kariöse, erweichte Zahnsubstanz mit speziellen Bohrern restlos exkavieren.
Dieser Vorgang erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung, sodass der Patient dabei keine Schmerzen verspürt. Nachdem der Hohlraum gründlich gereinigt und desinfiziert wurde, muss eine neue Restauration geplant werden. Je nach Größe des entstandenen Defekts entscheidet der Zahnarzt, ob eine direkte Kompositfüllung ausreicht oder ein Inlay beziehungsweise eine Krone notwendig ist. Moderne Füllungsmaterialien werden dabei schichtweise aufgetragen und mit UV-Licht ausgehärtet, um einen bakteriendichten Verschluss zu gewährleisten. Im schlimmsten Fall, wenn der Zahnnerv bereits betroffen ist, muss vor der neuen Füllung eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihre Füllungen dauerhaft
Die beste Maßnahme gegen Sekundärkaries ist eine konsequente und vorbeugende Zahnpflege im Alltag. Dazu gehört das tägliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, idealerweise zweimal am Tag für mindestens zwei Minuten. Ebenso wichtig ist die Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Interdentalbürsten, da sich gerade hier gefährliche Bakterien ansammeln.
Auch die regelmäßige Nutzung einer antibakteriellen Mundspülung kann helfen, die Keimbelastung im Mundraum deutlich zu reduzieren. Darüber hinaus sollten Sie zwingend zweimal jährlich die Kontrolluntersuchungen bei Ihrem Zahnarzt wahrnehmen. Ergänzend empfiehlt sich ein- bis zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung, bei der auch schwer zugängliche Füllungsränder gereinigt und poliert werden. Wer nachts stark mit den Zähnen knirscht, sollte das Tragen einer Aufbissschiene in Erwägung ziehen, um die Füllungen vor mechanischen Schäden zu schützen. Durch diese präventiven Maßnahmen lässt sich die Lebensdauer von Zahnrestaurationen erheblich verlängern.
Studien zu Sekundärkaries
- Untersuchungen zur Inneren Läsion der Sekundärkaries im biofilmbasierten In-vitro-Modell – Katja Diercke (Dr. med. dent., Charité Berlin)
- Aus dem Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde – Analyse der Sekundärkarieslokalisation und Misserfolgsraten bei Restaurationen
- De- und Remineralisation von Zahnhartsubstanz unter Anwesenheit von Restaurationen – Mzekala Tsotsoria (LMU München)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Sekundärkaries von alleine wieder heilen?
Nein, einmal entstandene Sekundärkaries kann nicht von alleine abheilen oder durch Zähneputzen gestoppt werden. Der Zahnarzt muss die betroffene Stelle reinigen und die alte Füllung austauschen, um den Zahn zu retten.
Verursacht Sekundärkaries immer sofort starke Schmerzen?
Im Anfangsstadium verläuft diese Form der Karies meist völlig schmerzfrei und unbemerkt. Erst wenn die Infektion tiefer in den Zahn eindringt und den Zahnnerv erreicht, treten spürbare Schmerzen auf.
Wie lange hält eine normale Zahnfüllung?
Die Lebensdauer einer Zahnfüllung hängt stark vom verwendeten Material und der individuellen Mundhygiene ab. Im Durchschnitt halten hochwertige Kompositfüllungen etwa sieben bis zehn Jahre, bevor sie anfällig für Randspalten werden.
Ist die Behandlung von Sekundärkaries schmerzhaft?
Die Behandlung erfolgt normalerweise unter einer lokalen Betäubung und ist daher für den Patienten vollkommen schmerzfrei. Erst nach dem Abklingen der Anästhesie kann der Zahn für kurze Zeit leicht empfindlich reagieren.
Warum entsteht Karies überhaupt unter einer Füllung?
Durch die tägliche Belastung beim Kauen können mikroskopisch kleine Risse zwischen der Füllung und dem natürlichen Zahn entstehen. Bakterien dringen durch diese Risse ein und zerstören im Verborgenen die Zahnsubstanz.
Kann ein Röntgenbild jede Karies erkennen?
Röntgenaufnahmen sind das zuverlässigste Mittel, um versteckte Karies unter Füllungen oder in den Zahnzwischenräumen zu diagnostizieren. Dennoch können sehr kleine, beginnende Defekte manchmal selbst auf dem Röntgenbild schwer erkennbar sein.
Werden die Kosten für die Behandlung von der Krankenkasse übernommen?
Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für das Entfernen der Karies und eine Standardfüllung. Wenn Sie sich für hochwertigere Materialien wie Keramik-Inlays entscheiden, müssen Sie einen Eigenanteil leisten.
Hilft eine Mundspülung gegen Sekundärkaries?
Eine antibakterielle und fluoridhaltige Mundspülung ist eine sehr gute Ergänzung zur täglichen Zahnpflege. Sie kann jedoch keine bereits vorhandene Karies beseitigen, sondern lediglich das Risiko einer Neuinfektion senken.
Muss bei Sekundärkaries immer der Nerv entfernt werden?
Eine Entfernung des Zahnnervs im Rahmen einer Wurzelbehandlung ist nur notwendig, wenn die Karies extrem tief fortgeschritten ist. Bei einer frühzeitigen Diagnose reicht es meist aus, die Füllung auszutauschen und den Defekt zu versiegeln.
Wie oft sollte ich meine Füllungen vom Zahnarzt kontrollieren lassen?
Es wird empfohlen, mindestens zweimal im Jahr eine routinemäßige Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt durchführen zu lassen. Bei diesen Terminen kann der Zahnarzt die Ränder der Füllungen prüfen und Probleme frühzeitig erkennen.
Fazit
Sekundärkaries ist eine unsichtbare Gefahr, die ohne rechtzeitige Behandlung den gesamten Zahn gefährden kann. Da sie im Verborgenen unter alten Füllungen wächst, sind regelmäßige Zahnarztbesuche und moderne Diagnoseverfahren unverzichtbar. Warten Sie nicht, bis Schmerzen auftreten! Vereinbaren Sie noch heute einen Kontrolltermin bei Ihrem Zahnarzt und setzen Sie auf eine professionelle Zahnreinigung, um Ihre Füllungen langfristig zu schützen. Nehmen Sie Ihre Zahngesundheit in die Hand – für ein gesundes, unbeschwertes Lächeln ein Leben lang!
