Zähneknirschen – Ursachen und Vorbeugen gegen weiteren Zahnschmelzverlust
Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, betrifft viele Menschen – insbesondere Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. Es tritt oft unbemerkt in der Nacht auf und kann zu Zahnschäden, Kieferschmerzen und Verspannungen führen. Auch Kinder sind betroffen, insbesondere während des Zahnwechsels. Neben Stress können Fehlstellungen oder bestimmte Medikamente das Knirschen begünstigen. Die Folgen reichen von abgenutztem Zahnschmelz bis zu chronischen Kieferproblemen. Behandlungsmöglichkeiten sind Zahnschienen, Entspannungstechniken und gezielte Therapien. Unbehandeltes Zähneknirschen kann langfristige Schäden verursachen. Ein Zahnarztbesuch ist daher ratsam, um Ursachen zu klären und individuelle Lösungen zu finden.
Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste in Kürze
- Häufigkeit: Zähneknirschen betrifft vor allem Frauen zwischen 30 und 45 Jahren, kann aber auch bei Kindern auftreten.
- Ursachen: Stress, Angststörungen, Fehlstellungen, Medikamente oder schlechte Gewohnheiten sind mögliche Auslöser.
- Symptome: Morgendliche Kieferschmerzen, Kopfweh, Zahnschäden oder knackende Kiefergelenke sind typische Anzeichen.
- Behandlung: Zahnschienen, Entspannungstechniken, Physiotherapie und Stressbewältigung können helfen.
- Folgen: Unbehandelter Bruxismus kann zu Zahnverlust, Kieferproblemen und chronischen Schmerzen führen.
Zähneknirschen Symptome
In der Regel bekommen die Betroffenen selbst vom Zähneknirschen nichts mit, denn in den meisten Fällen tritt dieses in der Nacht im Schlaf auf. Vor allem am Morgen nach dem Aufwachen, bemerken viele aber Schmerzen am Kaumuskel. In einigen Fällen kommt es sogar zu einem Knacken im Kiefer, wenn der Mund geöffnet oder geschlossen wird. Durch den immensen Druck kann es außerdem zu Zahnschmerzen oder zu Kopf-, wie Kieferschmerzen kommen.
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Oftmals zeigen sich die Nachwirkungen des nächtlichen Zähneknirschens auch beim Besuch beim Zahnarzt. So sind die Kauflächen unter Umständen abgerieben oder es zeigen sich bereits Schmelzrisse. Hinzu kommt, dass ebenso die Zahnhälse empfindlich werden können. Wer lediglich vermutet, dass er im Schlaf mit den Zähnen knirscht, sollte einmal seinen Partner fragen. Oftmals werden diese von den nächtlichen Geräuschen sogar geweckt. Das Abtasten der Wangenmuskeln zum Kiefergelenk hin, kann außerdem zeigen, ob Sie an Verspannungen oder Verhärtungen am Morgen leiden.
Keineswegs knirschen Menschen aber nur im Schlaf des Nachts mit den Zähnen, denn so mancher leidet auch am sogenannten Wachbruxismus. Unbewusst pressen Betroffene in diesem Fall auch Tagsüber den Ober- und Unterkiefer zusammen. Häufig geschieht dies in Stresssituationen.
Ursachen für Bruxismus bei Erwachsenen
Zahnärzte beschreiben das Knirschen mit den Zähnen als Parafunktion, denn die Aktivität des Kaumuskels erfüllt jetzt keinen bestimmten Zweck. So drückt, presst oder beißt der Betroffene mit einem immensen Druck die Zähne aufeinander. Weitaus stärker als beim normalen Kauen kommt es hier zu einer Beißkraft von bis zu 400 Kilo.
Bislang wissen die Experten noch nicht, ob das Zähneknirschen genetisch bedingt ist. Fest steht lediglich, dass viele Erwachsene vor allem bei Stress oder bei der Verarbeitung seelischer Probleme mit den Zähnen knirschen. Angststörungen, Depressionen, Alltagsbelastungen, sowie soziale Vereinsamung können hier die Auslöser sein.

Des Weiteren kann aber ebenfalls ein Problem dahinter stecken, welches orthopädisch erzeugt wird. Zahnformen, veränderte Zahnstellungen oder auch ein schlecht sitzender Zahnersatz können ebenfalls für das Zähneknirschen verantwortlich sein.
Außerdem stehen auch Alkohol, bestimmte Psychopharmaka, Drogen oder Medikamente im Verdacht Zähneknirschen auslösen zu können. In einigen Fällen kann diese nächtliche Aktivität aber ebenso einfach nur eine schlechte Angewohnheit sein, welche dennoch behandlungsbedürftig ist.
Ursachen für Bruxismus bei Kindern
Kommt es bei Babys oder Kleinkindern zum nächtlichen Zähneknirschen hängt dies oft mit schlecht sitzenden Milchzähnen zusammen. Durch das Nachwachsen der bleibenden Zähne verschwindet das Knirschen meist von selbst. Häufig knirschen die Kleinen mit den Zähnen sobald die ersten Milchzähne erscheinen. So gehört der Bruxismus in den ersten Lebensmonaten bis hin zum dritten Lebensjahr meist zum ganz normalen Entwicklungsphänomen.
In dieser Zeit wachsen die Milchzähne nun einmal durch die Zahnleiste in die Mundhöhle hinein. Ihren festen Platz müssen diese Zähne erst noch finden. Die Kauflächen reiben gegeneinander, so dass es zu einem Abschleifen kommt, um den richtigen Zusammenbiss zwischen Ober-, wie Unterkiefer zu konstruieren. Behandlungsbedürftig ist dieses Zähneknirschen nicht. Zahnärzte bezeichnen dies als „Zähne einbeißen“.
Zähneknirschen Behandlung
Zu aller erst schließt der Zahnarzt andere Ursachen für die Schmerzen aus. Im nächsten Schritt untersucht dieser ob eine Fehlfunktion, die mit der Kieferbewegung zu tun hat vorliegt und ob der Kiefer unter Umständen überlastet ist.
Zahnmediziner nennen dies eine klinische Funktionsanalyse. So tastet der Zahnarzt die Kaumuskulatur ab und untersucht die Mundhöhle. Durch das Abtasten des Kiefergelenks, sowie der Wangenknochen kann dieser feststellen, wie groß das Ausmaß des Bruxismus ist.
Folgende Möglichkeiten gibt es um Zähneknirschen zu behandeln:
- Aufbissschiene
Eine individuell angepasste Aufbissschiene oder auch Knirscherschiene besteht aus Kunststoff und gehört zu den häufigsten Behandlungsmethoden des Zahnarztes, wenn Patienten mit den Zähnen knirschen. So kommt eine durchsichtige Kunststoffschiene vor allem nachts zum Einsatz, um zu verhindern, dass der Zahnschmelz noch weiter abgetragen wird. Auf diese Weise werden die Zahnreihen auf Abstand gehalten, so dass Ober-, wie Unterkiefer getrennt werden. Außerdem entlastet diese Schiene die Muskulatur. Bei der Aufbissschiene handelt es sich um eine Therapie, die Symptome behandelt, die bereits akut sind. Demnach behandelt diese die Symptome, nicht aber die Ursache des Zähneknirschens.
- Okkulationsschiene
Um Beschwerden durch das starke Pressen, wie Knirschen der Zähne zu vermeiden, kann es besser sein, eine individuell angepasste Okkulationsschiene zu tragen. Diese Schiene ist aufwendiger in ihrer Konstruktion, denn je nach Modell stellt diese zusätzlich eine Kieferposition ein, die den Unterkiefer stabilisiert, sowie die Kaumuskeln entlastet. Bei rund 50% der Patienten kann die Okkulationsschiene die Intensivität des Zähneknirschens reduzieren und eine gesunde Zahnstellung unterstützen.
- Medikamente
Auch Medikamente können begleitend zu einer Schienentherapie oder der Ausübung verschiedener Entspannungstechniken zum Einsatz kommen. Da bestimmte Wirkstoffe allerdings im Verdacht stehen Wechselwirkungen mit dem neuralen System zu haben, die demnach Bruxismus auslösen bzw. verstärken können, werden diese nur sehr selten eingesetzt. Nur unter strengen Auflagen werden diese dann verordnet.
- Entspannungstechniken
Zahlreichen Betroffenen helfen ebenfalls Entspannungstechniken, wie Yoga, eine Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder ein Training, welches autogen vorgenommen wird. In manchen Fällen kann bei Bruxismus ebenso eine Psychotherapie Sinn machen. So können auf diese Weise belastende Ereignisse aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden und so der Stresspegel gesenkt werden.
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Konkrete Übungen zur Muskelentspannung
Neben Zahnschienen und Stressreduktion können gezielte Übungen helfen, die Kiefermuskulatur zu entspannen. Hier einige bewährte Methoden:
- Kieferlockerung: Öffne den Mund leicht und bewege den Unterkiefer sanft hin und her.
- Zungenentspannung: Lege die Zunge entspannt an den Gaumen, um den Kiefer automatisch zu lockern.
- Massage der Kaumuskulatur: Drücke sanft mit den Fingerspitzen auf die Kaumuskeln und massiere sie kreisförmig.
- Wärmeanwendungen: Eine warme Kompresse oder Wärmepackung auf den Kiefer legen, um Verspannungen zu lösen.
- Dehnübungen: Den Mund weit öffnen und für einige Sekunden halten, dann langsam schließen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien
Bruxismus ist eine weit verbreitete, jedoch oft unterschätzte Erkrankung. Laut einer Studie der American Academy of Sleep Medicine leiden etwa 10–15 % der Erwachsenen an chronischem Zähneknirschen. Eine weitere Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Zahnmedizin zeigt, dass stressbedingtes Zähneknirschen in den letzten Jahren stark zugenommen hat.
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass Bruxismus nicht nur durch psychischen Stress, sondern auch durch Störungen im zentralen Nervensystem begünstigt wird. Bestimmte Neurotransmitter, darunter Dopamin und Serotonin, spielen eine Rolle bei der Steuerung der Kaumuskelaktivität. Medikamente, die das Nervensystem beeinflussen – insbesondere Antidepressiva – können Bruxismus verstärken oder auslösen.
Zudem wurde in einer Studie der Universität Wien festgestellt, dass Bruxismus nicht nur Schäden an den Zähnen verursacht, sondern auch langfristig zu Veränderungen in der Kiefergelenkstruktur führen kann. Dies kann wiederum zu chronischen Schmerzen oder CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) führen.
Fazit:
Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, kann nicht nur dem Partner den letzten Nerv rauben. Auch die Zähne können hier Schaden nehmen, wenn Betroffene jede Nacht einen immensen Druck auf ihr Gebiss ausüben. Außerdem kann das nächtliche Knirschen für Verspannungen sorgen und sogar Schmerzen auslösen.
Demnach ist auch in diesem Fall ein Besuch beim Zahnarzt ratsam, denn mit speziellen Schienen oder anderen Maßnahmen kann das Knirschen unterbunden werden, so dass Zahnschmelzrisse und andere Beschwerden behoben werden können. Manchmal helfen ebenso Entspannungstechniken gegen Bruxismus, denn häufig wird das Zähneknirschen durch Stress ausgelöst. Auch Sport oder andere Maßnahmen die Stress abbauen, können in diesem Fall hilfreich sein.
Quellen:
- Medizinische Universität Wien: „Nächtliches Zähneknirschen kann Kiefergelenke schädigen“ https://www.meduniwien.ac.at/web/ueber-uns/news/default-0f889c8985-1/naechtliches-zaehneknirschen-kann-kiefergelenke-schaedigen/
- Universität Greifswald: „Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Bruxismus und craniomandibulären Dysfunktionen“ https://epub.ub.uni-greifswald.de/frontdoor/deliver/index/docId/1648/file/Diss_Schuelein_Heinrich.pdf
- SWR Kultur: „Zähneknirschen – Ursachen und Behandlung“ https://www.swr.de/swrkultur/wissen/zaehneknirschen-ursachen-und-behandlung-swr2-wissen-2020-07-31-104.html
- Universitätsklinikum Düsseldorf: „Interdisziplinäres Forschungsprojekt zum Bruxismus“ https://www.uniklinik-duesseldorf.de/patienten-besucher/klinikeninstitutezentren/poliklinik-fuer-zahnerhaltung-parodontologie-und-endodontologie/forschung/interdisziplinaeres-forschungsprojekt-zum-bruxismus
- Universitätsklinikum Münster: „Zähneknirschen: Häufig ist Stress im Alltag schuld“ https://web.ukm.de/ukm-pressearchiv2011/archiv-2011-vollstaendiger-artikel/zaehneknirschen-haeufig-ist-stress-im-alltag-schuld
FAQ
Was kann man gegen Zähneknirschen tun?
Zähneknirschen, auch Bruxismus genannt, ist ein verbreitetes Problem, das jedoch behandelt werden kann. Hier sind einige Maßnahmen, die gegen Zähneknirschen helfen können:
- Entspannungstechniken: Stress ist oft eine Ursache für Zähneknirschen. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können helfen, Stress abzubauen und das Zähneknirschen zu reduzieren.
- Aufbissschienen: Ein Zahnarzt kann eine individuell angepasste Aufbissschiene empfehlen. Diese Schiene wird während des Schlafs getragen und schützt die Zähne vor dem Abschleifen.
- Vermeidung von Stimulanzien: Koffein und Alkohol können das Zähneknirschen verstärken. Es ist ratsam, den Konsum dieser Substanzen zu reduzieren, insbesondere vor dem Schlafengehen.
- Gesunde Schlafgewohnheiten: Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann dazu beitragen, das Zähneknirschen zu verringern. Schaffen Sie eine entspannte Schlafumgebung und halten Sie feste Schlafzeiten ein.
Was passiert wenn man Zähneknirschen nicht behandelt?
Wenn Zähneknirschen nicht behandelt wird, kann dies zu verschiedenen Problemen führen:
- Zahnschäden: Das ständige Reiben der Zähne kann zu Abnutzung, Rissen und sogar Zahnverlust führen. Dies kann zu erheblichen Zahnschäden führen, die teure zahnärztliche Eingriffe erfordern.
- Kieferprobleme: Das starke Drücken und Reiben der Zähne kann zu Schmerzen im Kiefergelenk führen, was zu Kieferproblemen wie dem Kiefergelenksyndrom führen kann.
- Kopfschmerzen und Gesichtsschmerzen: Bruxismus kann häufig zu chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen führen, da die übermäßige Belastung der Kaumuskulatur Auswirkungen auf andere Bereiche des Kopfes haben kann.
Was bedeutet Zähneknirschen in der Nacht?
Zähneknirschen in der Nacht, auch nächtlicher Bruxismus genannt, tritt auf, wenn Menschen während des Schlafs unbewusst mit den Zähnen knirschen oder pressen. Oft sind stressbedingte Anspannung oder unaufgearbeitete emotionale Zustände die Ursache für nächtliches Zähneknirschen.
Ist Zähneknirschen eine Krankheit?
Zähneknirschen wird nicht als eigenständige Krankheit betrachtet, sondern als ein Symptom von zugrunde liegenden Problemen wie Stress, Angst, Schlafstörungen oder einer schlecht ausgerichteten Bisslage. Es ist wichtig, die Ursache des Zähneknirschens zu identifizieren, um die richtige Behandlungsstrategie zu entwickeln.
Welche Übungen bei Zähneknirschen?
Es gibt bestimmte Übungen, die helfen können, die Kaumuskulatur zu entspannen und das Zähneknirschen zu reduzieren:
- Kieferentspannung: Öffnen Sie den Mund sanft, bis Sie eine leichte Dehnung spüren. Halten Sie diese Position für einige Sekunden und schließen Sie dann den Mund langsam. Wiederholen Sie dies mehrmals.
- Zungenpositionierung: Platzieren Sie Ihre Zunge sanft hinter Ihren oberen Schneidezähnen. Dies kann dazu beitragen, den Kiefer zu entspannen und das Zähneknirschen zu minimieren.
- Schulterentspannung: Entspannte Schultern können dazu beitragen, Spannungen im Kieferbereich zu reduzieren. Führen Sie Schulterkreisen oder andere Entspannungsübungen durch.
Ist Zähneknirschen schlimm?
Ja, unbehandeltes Zähneknirschen kann ernsthafte Auswirkungen auf die Zähne, den Kiefer und die allgemeine Gesundheit haben. Es ist wichtig, das Problem ernst zu nehmen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um Schäden zu vermeiden.
Indem Sie entspannende Techniken anwenden, Aufbissschienen tragen, schlechte Gewohnheiten wie Koffein reduzieren und gesunde Schlafgewohnheiten entwickeln, können Sie Zähneknirschen effektiv behandeln und dessen negative Folgen minimieren. Es wird empfohlen, einen Zahnarzt zu konsultieren, um eine individuelle Diagnose und eine passende Behandlungsstrategie zu erhalten.
